Be-Found: warum ich mein eigenes SEO-Werkzeug gebaut habe

Von Patrick Baur · aktualisiert am

Be-Found ist das Werkzeug, mit dem ich Websites plane und überwache. Es hat zwei Flügel um einen gemeinsamen Datenkern: «Kundschaften» plant Themen, Orte, Pillar-Seiten und Keywords, «Wachen» prüft die fertige Website und misst monatlich, ob KI-Systeme sie nennen. Es beantwortet ob und wo – nicht wie. Jeder Datenpunkt trägt Quelle und Datum, und wenn eine Zahl unplausibel ist, wird sie weggelassen statt ausgewiesen.

Es gibt genug SEO-Werkzeuge. Ich habe trotzdem eines gebaut. Nicht weil die anderen schlecht sind, sondern weil mir bei allen dieselben drei Dinge gefehlt haben.

Erstens: Kein Werkzeug sagt dir, woher eine Zahl stammt und wie alt sie ist. Suchvolumen erscheinen als Fakt. Sie sind Schätzungen.

Zweitens: Kein Werkzeug prüft die Website gegen das, was für sie geplant war. Es prüft sie gegen eine allgemeine Norm. Eine Übersichtsseite wird dann für zu kurz erklärt, obwohl sie genau richtig kurz ist.

Drittens: Ich wollte wissen, was ein Bericht kostet, bevor ich ihn erzeuge. Bei Abonnements weiss man das nie.

Was daraus geworden ist, heisst intern Be-Found. Es steckt hinter dem Gratis-Website-Check auf dieser Seite und hinter jeder Analyse, die ich mache.

Zwei Flügel um einen Datenkern

Be-Found ist kein Keyword-Werkzeug mit Zusatzfunktionen. Es ist ein Datenmodell mit zwei Zugängen.

«Kundschaften» plant. Hier entsteht die Struktur einer Website, bevor jemand ein Wort schreibt: Themen des Betriebs, Orte mit tatsächlichem Bezug, daraus Pillar-Seiten und ihre Unterseiten, und jedem davon ein Hauptbegriff.

«Wachen» prüft. Hier läuft die fertige Website durch: technischer Durchgang, Benotung, Bericht – und monatlich die Frage, ob Antwortmaschinen den Betrieb nennen.

Und weil beide auf denselben Daten sitzen, entsteht der eigentliche Nutzen: «Wachen» prüft gegen das, was «Kundschaften» geplant hat. Eine Seite, die als Übersichtsseite angelegt wurde, wird als Übersichtsseite beurteilt. Eine Pillar-Seite muss mehr leisten. Je besser die Planung gepflegt ist, desto schärfer misst die Prüfung – Pflege wird zum Eigennutzen statt zur Fleissaufgabe.

Die Trennlinie ist mir wichtig: Das Werkzeug beantwortet «ob» und «wo». Nicht «wie». Es sagt, wo eine Lücke ist und was sie wert wäre. Was in den Text gehört und wie er klingt, ist Handarbeit. Ein Werkzeug, das behauptet, es schreibe auch gleich die Seite, verkauft dir das Falscheste am ganzen Vorgang.

Was das Planen kann

Keyword-Prüfung mit Schweizer Suchvolumen, Schwierigkeitsgrad und Klickpreis – gebündelt abgefragt, weil jede einzelne Anfrage gleich viel kostet, egal ob sie vier oder achtundfünfzig Begriffe enthält.

Longtail und echte Fragen. Fragen werden aus den Vorschlägen erkannt, ohne dafür eine weitere kostenpflichtige Abfrage auszulösen.

Struktur mit Doorway-Bremse. Ein Ort darf nur angelegt werden, wenn es einen belegbaren Bezug dorthin gibt – ein Standort, eine Referenz, ein Einzugsgebiet. Das verhindert genau jene Seitenschwemme «SEO Winterthur, SEO Uster, SEO Dübendorf», für die Google seit Jahren abstraft.

Kannibalisierungs-Sperre. Ein Hauptbegriff kann technisch nur einmal vergeben werden – die Datenbank lässt es gar nicht anders zu. Das ist der häufigste unbemerkte Fehler auf gewachsenen Websites: Zwei eigene Seiten kämpfen um denselben Begriff und schwächen sich gegenseitig.

Chancen-Bewertung. Jeder Begriff bekommt eine Zahl zwischen 0 und 100 aus Suchvolumen, Schwierigkeit und Geschäftswert. Das Volumen geht logarithmisch ein, damit ein einziger Riesenbegriff nicht die ganze Liste erschlägt. Die Zahl wird in der Datenbank berechnet, nicht in der Oberfläche – so kann sie niemand von Hand «verbessern».

Was das Prüfen kann

Der Durchgang liest die Website so, wie eine Maschine sie sieht. Weiterleitungen werden vor dem Durchgang aufgelöst – sonst erfasst ein Crawler eine einzige Seite und hält alle weiteren Adressen für eine fremde Domain. Ein Fehler, den ich in fremden Berichten regelmässig sehe.

Geprüft wird unter anderem, was sonst kaum jemand prüft: ob robots.txt KI-Bots aussperrt, ob eine llms.txt existiert, ob die Inhalte auch ohne JavaScript im ausgelieferten HTML stehen. Denn nach der bislang belastbarsten Messung – Vercel, Dezember 2024 – führt kein grosser KI-Crawler JavaScript aus. Was erst im Browser entsteht, existiert für ChatGPT nicht.

Am Ende steht eine Note in Schweizer Schulnoten, 1.0 bis 6.0, gewichtet aus fünf Bereichen:

Bereich Gewicht
Indexierung und Technik 25
Zugänglichkeit für KI 25
Titel und Beschreibungen 20
Antwort zuerst 15
Struktur und Auszeichnung 15

Ich habe lange über die Notenskala nachgedacht und mich bewusst gegen Prozentwerte entschieden. Eine 4.2 versteht in der Schweiz jeder sofort, ohne Legende – und jeder weiss auch, dass sie nicht gut ist.

Die vier Regeln, auf die es mir ankam

1. Jeder Datenpunkt trägt Quelle und Datum. Wenn im Bericht ein Suchvolumen steht, steht daneben, woher es kommt und wann es geholt wurde.

2. Kein Sprachmodell schätzt je ein Suchvolumen. Sprachmodelle sind grossartig darin, plausible Zahlen zu erfinden. Genau deshalb dürfen sie hier keine liefern.

3. Ein unplausibler Messwert wird weggelassen, nicht ausgewiesen. Als der Durchgang einmal eine Ladezeit von 23 Millisekunden meldete, war die Antwort nicht, die Zahl schönzurechnen, sondern sie zu verschweigen – und im Bericht zu sagen, dass hier kein glaubwürdiger Wert vorliegt.

4. Was das Werkzeug geraten hat, muss es sagen. Wenn eine Seitenart nicht aus der Planung stammt, sondern automatisch erkannt wurde, steht das im Bericht und die betroffenen Zeilen sind gedämpft dargestellt. Ein Bericht, der Geratenes wie Gemessenes aussehen lässt, ist gefährlicher als gar kein Bericht.

Diese vierte Regel ist mir teuer zu stehen gekommen: Der Bericht zeigte eine Woche lang eine Gesamtnote und darunter den Satz, es gebe keinen dringenden Handlungsbedarf – während in Wirklichkeit kein einziger Befund in die Datenbank geschrieben worden war. Ein stiller Schreibfehler. Seither gilt: Scheitert das Schreiben, gibt es keine Note, sondern eine Warnung und einen gratis Wiederholungsknopf.

Der KI-Monitor

Der neuste Teil misst, ob Antwortmaschinen den Betrieb nennen – und wer stattdessen genannt wird.

Das Verfahren: zehn bis fünfundzwanzig Prüffragen, formuliert wie ein Kunde sie tippen würde. Ein Lauf schickt alle Fragen einmal durch eine Antwortmaschine und speichert die Antwort samt der zitierten Quellen. Der Fragetext wird dabei eingefroren, damit spätere Änderungen alte Läufe nicht verfälschen.

Daraus entstehen zwei Auswertungen: Wie oft komme ich vor, an welcher Stelle – und welche Domains werden in meinem Feld überhaupt zitiert. Die zweite ist oft die wertvollere. Sie zeigt die Antwort-Konkurrenz, und die ist selten dieselbe wie die Google-Konkurrenz.

Eine Grenze, die im Werkzeug selbst steht, nicht im Kleingedruckten: Gemessen wird die Antwort einer Schnittstelle. Was jemand in der App sieht, kann abweichen – dort wirken Gesprächsverlauf, Standort und manchmal ein anderes Modell mit. Der Wert liegt im Vergleich über die Zeit, nicht im einzelnen Ergebnis.

Was es kostet – und warum das im Werkzeug steht

Jede externe Abfrage kostet Geld. Darum gibt es eine harte Bremse: ein Tagesdeckel, ein Monatsdeckel, eine Warnschwelle. Vor jeder Abfrage wird geprüft, ob noch Budget da ist; Treffer aus dem Zwischenspeicher sind gratis. Greift der Deckel mitten in einem Lauf, wird der Lauf abgebrochen und der Grund vermerkt – statt still weiterzurechnen.

Zur Grössenordnung: Ein technischer Durchgang über dreizehn Seiten kostet rund anderthalb Rappen. Eine KI-Prüffrage etwa einen Zehntelrappen.

Das ist der Unterschied zum Abonnement. Ich weiss vorher, was ein Bericht kostet.

Was Be-Found nicht ist

Es ist kein Produkt, das du abonnieren kannst. Der Zugang ist gesperrt, es gibt keine Registrierung. Was du davon siehst, ist der Bericht – und der trägt meinen Namen, nicht den des Werkzeugs.

Es ersetzt die Search Console nicht. Die ist die einzige Quelle mit gemessenen statt geschätzten Zahlen, und sie kostet nichts. Be-Found liest sie mit ein, es tritt nicht an ihre Stelle.

Und es ist nicht fertig. Es fehlen der Verlauf über mehrere KI-Läufe, die Auswertung der Zitierquellen und ein Frühwarnsystem für Seiten, die langsam an Sichtbarkeit verlieren.

Warum ich es überhaupt selbst baue

Neunzehn Jahre lang habe ich ein eigenes KMU geführt und alles selbst gemacht: Website, Marketing, Webshop, Werbemittel. Ich habe in dieser Zeit mehr Werkzeuge gekauft als benutzt. Was mir jedes Mal fehlte, war nicht eine Funktion – es war das Vertrauen, dass die Zahl auf dem Bildschirm etwas bedeutet.

Deshalb sind die vier Regeln oben wichtiger als jede Funktionsliste. Ein Werkzeug, das offenlegt, wo es unsicher ist, ist mehr wert als eines, das immer eine Antwort hat.

Und deshalb steht dieser Artikel auf einer Website, die selbst das Versuchsobjekt ist: Alles, was hier empfohlen wird, ist an vornedabei.ch gemessen worden. Wie das aussieht, steht im Fahrplan für Schweizer KMU.

Willst du einen ersten Befund für deine eigene Website? Der Website-Check läuft auf demselben Unterbau, ist gratis und dauert unter einer Minute.

Häufige Fragen

Warum sind Schweizer Suchvolumen so schwierig?
Weil die Schweiz für die grossen Anbieter ein kleiner Markt mit drei Sprachen ist. Die Datenbanken werden aus Klickströmen und Werbeplattform-Daten hochgerechnet; je kleiner der Markt, desto grösser die Unsicherheit. Bei einem Abgleich von 58 Schweizer Begriffen zwischen zwei Quellen lag die mittlere Abweichung beim Volumen bei 28 Prozent und beim Schwierigkeitsgrad bei 15 Punkten. Sechzehn Begriffe stimmten exakt überein – durchwegs jene, die auf den Stufen der Google-Werbeplattform liegen. Dramatisch wurde es bei allgemeinen Begriffen: Für einen davon nannte die eine Quelle 40 Suchanfragen im Monat, die andere 1'600. Konsequenz für die Praxis: Volumen taugen für Rangfolgen innerhalb einer Quelle, nicht als absolute Zahl – und ein Begriff, an dem eine ganze Strategie hängt, gehört gegen eine zweite Quelle geprüft.

Quellen

  1. The rise of the AI crawler – KI-Crawler führen kein JavaScript ausVercel (abgerufen am 7.8.2026)
  2. Doorway pages – Spam policies for Google web searchGoogle Search Central (abgerufen am 7.8.2026)
  3. DataForSEO Pricing – Abrechnung pro AnfrageDataForSEO (abgerufen am 7.8.2026)
  4. Search Console: die einzige Quelle mit gemessenen DatenGoogle Search Console Hilfe (abgerufen am 7.8.2026)