70 Schweizer Websites im Test: gut in Google, halb bereit für die KI-Suche
Von Patrick Baur · aktualisiert am
Eine Auswertung von 70 Schweizer Websites im August 2026 zeigt: Das klassische SEO-Fundament stimmt fast überall (Schnitt 94 von 100), aber die mobile Ladezeit (51) und die KI-Bereitschaft (65) hinken hinterher. Keine einzige der 70 Websites nutzt Autoren-Auszeichnung – das wichtigste Vertrauenssignal für die KI-Suche.
Wie fit sind Schweizer Websites wirklich – für Google und für die KI-Suche? Ich habe es gemessen statt geschätzt: 70 Websites, geprüft mit demselben Website-Check, der auf dieser Site jedem offensteht. Die Kurzfassung: Das klassische SEO-Handwerk sitzt fast überall. Beim Tempo und bei den Signalen für ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews klaffen dagegen Lücken – bei Grosskonzernen genauso wie beim KMU von nebenan.
So wurde gemessen
Zwei Gruppen, ein Messwerkzeug, August 2026:
- 50 bekannte Schweizer Websites: Aus einer kuratierten Liste von 100 reichweitenstarken Schweizer Websites in 16 Segmenten (Medien, Detailhandel, Banken, Versicherungen, Telekom, Behörden, Plattformen und mehr) wurden 50 per Zufall gezogen und geprüft.
- 20 KMU von Google-Seite 2: Für 20 typische lokale Suchanfragen («sanitär zürich», «treuhänder luzern», «zahnarzt winterthur» …) haben wir die echten google.ch-Resultate erhoben und pro Branche ein KMU ausgewählt, das auf den Positionen 11–20 steht – also auf der zweiten Seite, wo kaum noch jemand hinklickt.
Geprüft wurden unter anderem: Ladezeit mobil (Google-Messwerte), SEO-Grundlagen, strukturierte Daten, Überschriften-Struktur im ausgelieferten HTML, Sitemap und llms.txt, Autoren- und Organisations-Auszeichnung sowie die Frage, ob KI-Crawler ausgesperrt werden. Bei drei der 20 KMU-Websites liess sich der KI-Teil nur teilweise messen; die Durchschnitte beruhen dort auf den vollständigen Analysen.
Befund 1: Das SEO-Fundament stimmt – das Tempo nicht
Die 50 grossen Websites erreichen im SEO-Grundlagen-Score im Schnitt 94 von 100 Punkten. Titel, Beschreibungen, Indexierbarkeit: gelernt ist gelernt. Aber die mobile Ladezeit liegt im Schnitt bei 51 von 100 – 21 der 50 grossen Websites schaffen nicht einmal 50 Punkte. Wer je auf dem Handy einen Schweizer Online-Shop geöffnet hat, kennt das Gefühl dazu.
Die Überraschung: Die geprüften KMU-Websites laden mit einem Schnitt von 72 deutlich schneller als die Konzern-Auftritte. Kleine Website, wenig Ballast – der Grössenvorteil der Grossen ist beim Tempo ein Nachteil.
Befund 2: Halb bereit für die KI-Suche
Der KI-Bereitschafts-Score liegt in beiden Gruppen im Schnitt bei 65 von 100. Dahinter stecken immer dieselben Lücken:
- Strukturierte Daten fehlen oft: Nur 23 von 50 grossen Websites und 11 von 20 KMU liefern maschinenlesbare Zusatzinformationen.
- Jede fünfte grosse Website hat keine Hauptüberschrift im ausgelieferten HTML (10 von 50) – was ein Crawler ohne JavaScript nicht sieht, existiert für ihn nicht.
- llms.txt bleibt Exotin: 12 von 50 grossen Websites und 4 von 20 KMU haben die Datei, mit der man KI-Systemen den Weg weist.
- Autoren-Auszeichnung: null von 70. Keine einzige geprüfte Website zeichnet ihre Inhalte maschinenlesbar mit einer Autorin oder einem Autor aus. Ausgerechnet das Signal, mit dem KI-Systeme Vertrauen und Urheberschaft einordnen, nutzt niemand – die grösste offene Flanke der ganzen Erhebung.
Befund 3: Sieben Grosse sperren die KI aktiv aus
7 der 50 grossen Websites blockieren KI-Crawler in ihrer robots.txt – darunter eine Hochschule, die gleich acht KI-Bots aussperrt, inklusive des Google-KI-Zugriffs. Bei Plattformen mit eigenen Daten kann das eine bewusste Geschäftsentscheidung sein. Bei allen anderen heisst es schlicht: In KI-Antworten findet ihr nicht statt. Bemerkenswert: Keines der 20 geprüften KMU sperrt KI-Bots aus – die Kleinen sind hier offener aufgestellt als die Grossen.
Befund 4: Nach Branchen – Logistik vorne, Behörden hinten
Nach KI-Bereitschaft sortiert führen Logistik (88) und Finanzen (77), am Ende liegen Plattformen (57), Medien (55) und Behörden (53). Dass ausgerechnet Behörden-Websites am schlechtesten für die KI-Suche gerüstet sind, ist mehr als eine Fussnote: Verwaltungsinformationen sind genau das, was Menschen zunehmend zuerst einer KI fragen.
Was das für dein KMU heisst
Die wichtigste Erkenntnis steckt in der Seite-2-Gruppe: Diese 20 KMU sind technisch mehrheitlich in Ordnung – 12 von 20 holen sogar ein «Gut». Auf Seite 2 hält sie nicht die Technik, sondern das, was fehlt: Antworten in den ersten Zeilen, strukturierte Daten, erkennbare Autorenschaft, Inhalte mit Substanz. Technik ist die Eintrittskarte; gewonnen wird mit Inhalt und Vertrauenssignalen. Das ist eine gute Nachricht, denn genau diese Lücken lassen sich gezielt schliessen – ohne Neubau, wie im Ratgeber Neue Website oder die alte optimieren? beschrieben.
Wo deine Website steht, zeigt dir der Gratis-Website-Check in einer Minute – dieselbe Prüfung wie in dieser Studie, ohne Anmeldung. Und wenn du wissen willst, was die Resultate für dein Geschäft bedeuten: Erzähl mir kurz, worum es geht.
Fazit für Schweizer KMU
Schweizer Websites sind für das Google von gestern gut gerüstet und für die Suche von morgen erst halb. Die Lücken sind überall dieselben – Tempo, strukturierte Daten, Antwort-Struktur, Autorenschaft – und sie sind schliessbar. Wer sie vor der Konkurrenz schliesst, wird gefunden, wenn die Kundschaft nicht mehr googelt, sondern fragt.
Häufige Fragen
Wie wurden die 70 Websites ausgewählt?
Was wurde genau gemessen?
Was war der auffälligste Befund?
Kann ich meine eigene Website gleich prüfen lassen?
Quellen
- PageSpeed Insights / Lighthouse-Messwerte (Datengrundlage Tempo-Scores) — Google (abgerufen am 20.8.2026)
- DataForSEO SERP API (Datengrundlage google.ch-Positionen 11–20) — DataForSEO (abgerufen am 20.8.2026)
- Google Search Essentials — Google Search Central (abgerufen am 20.8.2026)